Stadtraum: Forschung

Gesundheitsförderung im Quartier

Verbundprojekt: Gesundheitsförderung im Quartier
Verbundprojekt: Gesundheitsförderung im Quartier. © www.gesundequartiere.de

Thema der neuen Ausgabe des HAW-Themendienstes: Wie kann die Lebensqualität in den Quartieren einer wachsenden Stadt erhalten bleiben?

Mit dem Projekt Gesundheitsförderung und Prävention im Setting Quartier entwickelt ein interdisziplinärer Forschungsverbund Maßnahmen, mit denen die Gesundheit und Lebensqualität in ausgewählten sozial benachteiligten Quartieren verbessert werden kann. Diese werden mit den Betroffenen gemeinsam erarbeitet. Prof. Dr. Joachim Westenhöfer, Experte für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie an der HAW Hamburg, ist Sprecher des Forschungsverbundes.

Gesundheit im kleinräumigen Gebiet ist ein hochaktuelles Thema. Allein in Hamburg befassen sich rund 40 Projekte mit Gesundheit – oder Krankheit – im Quartier. Bundesweit sieht der Trend ähnlich aus. In dem Verbundprojekt Gesunde Quartiere gehen Forscherinnen und Forscher unter anderem folgenden Fragen nach: Welche Indikatoren sind geeignet, die gesundheitliche Lage verschiedener Quartiere abzubilden? Wie ist die gesundheitliche Situation vor Ort und welcher Bedarf ergibt sich daraus für die Gesundheitsförderung und Prävention? Können gesundheitsförderliche Maßnahmen, die auf Quartiere ausgerichtet sind, zu einer Reduzierung von gesundheitlicher Ungleichheit beitragen? Wie kann eine quartiersbezogene Gesundheitsförderung partizipativ gestaltet werden?

„Die Lebensqualität in städtischen Quartieren zu erhalten, gehört zu einer der größten Herausforderung in einer wachsenden Großstadt. Mit dem Projekt Gesunde Quartiere entwickelt der Forschungsverbund unter der Führung der HAW Hamburg Maßnahmen, mit denen die Gesundheit und Lebensqualität in ausgewählten sozial benachteiligten Quartieren verbessert werden kann“, betont Prof. Dr. Joachim Westenhöfer, Professor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie an der HAW Hamburg und Sprecher des Forschungsverbundes.

Vier Hochschulen beteiligen sich am Verbundprojekt „Gesunde Quartiere“

Die Themenfelder bearbeitet ein hochschulübergreifender Forschungsverbund, in dem Forscherinnen und Forscher von vier Hochschulen beteiligt sind, beispielhaft in sechs Hamburger Quartieren mit unterschiedlichem Sozialstatus. Die Freie und Hansestadt fördert das Projekt im Rahmen der Landesforschungsförderung für dreieinhalb Jahre. Projektstart war im Juli 2017. Fünf Arbeitsgruppen arbeiten aktuell an spezifischen Fragestellungen.

Die Verbundpartner sind: von der HAW Hamburg Prof. Dr. Joachim Westenhöfer, Professor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie und Prof. Dr. Susanne Busch, Professorin für Gesundheitsökonomie und -politik, Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck, Direktor des Instituts für Medizinsoziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. Jörg Pohlan, Professor für Stadtentwicklung und Quantitative Methoden der Stadt- und Regionalforschung an der HafenCity Universität Hamburg sowie PD Dr. Enno Swart vom Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

„Mit diesem Forschungsverbund ist es uns gelungen, ganz unterschiedliche Expertisen aus drei Hamburger Hochschulen und aus der Uni Magdeburg zu bündeln. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eine ganz besondere Stärke unseres Vorhabens und wir sehen darin den Grundstein für eine längerfristige, erfolgreiche Forschungskooperation zur Förderung der Gesundheit in urbanen Räumen“, sagt Professor Westenhöfer, der Sprecher des Verbunds.

Das Forschungsprojekt umfasst zwei Teilprojekte:

Im ersten Teilprojekt „Methodenentwicklung und Datenbasis“ erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst, mit welchen Indikatoren die gesundheitliche Lage in unterschiedlichen Quartieren beschrieben werden kann. Diese Indikatoren sollen sowohl die gesundheitliche Situation der Bevölkerung als auch veränderbare Risiko- und Schutzfaktoren umfassen.

Erhoben werden die Indikatoren durch persönliche Befragungen der Bewohner sowie durch die Erhebung von sozialräumlichen Merkmalen des Quartiers, wie zum Beispiel Lärmbelastung, Mobilität und Verkehr, Zugang zu Grünanlagen und Qualität des öffentlichen Raums. Ende April 2018 wurden die ersten zufällig ausgewählten Bewohner der Quartiere angeschrieben, über die bevorstehenden Befragungen informiert und zur Teilnahme eingeladen. Die Befragung von insgesamt 900 Bewohnern beginnt im Mai und soll im Verlauf des Jahres 2018 abgeschlossen werden.

Zusätzlich zu den erhobenen Primärdaten sollen Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen ausgewertet und in die Beschreibung der gesundheitlichen Lage einbezogen werden. Im Ergebnis sollen mehrere Merkmale entwickelt werden, mit dem gesundheitsrelevante Veränderungen in den Quartieren zuverlässig beschrieben und die Auswirkungen von gesundheitsfördernden Maßnahmen überprüft werden können. Mithilfe dieses Indikatoren-Sets soll dann im Laufe des Jahres 2018 die gesundheitliche Lage der Bevölkerung in sechs zufällig ausgewählten Quartieren Hamburgs untersucht werden.

Um den Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Lage zu analysieren, werden Quartiere mit verschiedenen sozialen Status untersucht. Die Einstufung der Quartiere nach ihrem sozialen Status erfolgt nach dem Sozialmonitoring der Stadt Hamburg. Analog zum Sozialmonitoring soll in diesem Teilprojekt langfristig ein System für ein kleinräumiges Gesundheitsmonitoring entwickelt werden.

Interventionen in sozial benachteiligten Quartieren geplant:

Im zweiten Teilprojekt „Interventionen im Setting Quartier“ werden Erfahrungen aus bisherigen und aktuell laufenden Quartiersprojekten zusammengetragen und ausgewertet. Hierfür nimmt der Forschungsverbund eine systematische Sichtung von Literatur vor, die internationale Erfahrungen mit Gesundheitsförderung zum Gegenstand hat. Zudem unterstützen Workshops und Interviews mit regionalen und lokalen Akteuren den Wissensaustausch. Ab Anfang 2018 baut der Forschungsverbund dann Kooperations- und Partizipationsstrukturen in den ausgewählten Interventionsquartieren auf, um in einem weiteren Schritt mit den Betroffen vor Ort gemeinsame Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Ab 2020 soll die praktische Umsetzung der Maßnahmen in den Quartieren dann stattfinden. Um welche Maßnahmen es sich handelt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund des partizipativen Ansatzes nicht gesagt werden.

Begleitend erforscht der Projektverbund, wie solche Partizipationsprozesse gestaltet werden können und wie sie zum Erfolg von Maßnahmen beitragen. Des Weiteren soll mit den im Projekt entwickelten Methoden untersucht werden, ob die Veränderungen im Quartier zu messbaren Verbesserungen der gesundheitlichen Lage beitragen.

(Dr. Katharina Jeorgakopulos/Joachim Westenhöfer)

Weitere Informationen: www.gesundequartiere.de


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