Transforming Cities

Inspirationen für die Stadtentwicklung

Inspirationen für die Stadtentwicklung
Inspirationen für die Stadtentwicklung. © pixabay

Neue Publikation der IESE Business School untersucht Faktoren für nachhaltige Stadtentwicklung und urbanes Wirtschaftswachstum im internationalen Vergleich

Im 21. Jahrhundert wachsen Städte schneller denn je. Bis 2050 werden voraussichtlich bis zu 80 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Ballungsgebieten leben. Welche Chancen und Risiken das für die wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringt, das analysiert eine aktuelle Studie und Publikation zum Thema „Cities and the Economy. Fueling Growth, Jobs and Innovation“. Verfasst wurde diese von Pascual Berrone und Joan Enric Ricart Costa, beide Professoren für Strategic Management an der IESE Business School, sowie der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Ana Duch T-Figueras. Die Studienautoren thematisieren unter anderem die Gefahren durch Überlastung von Infrastrukturen, sozioökonomische Ungleichheiten und Umweltverschmutzung. Vor allem aber beschäftigt die Forscher die Frage, wie ein nachhaltiges intelligentes Wachstum aussehen könnte und sollte. In „International Urban Best Practices“ entwickeln sie Strategien für eine positive Stadtentwicklung.

Technologie und Innovation

Zukunftstechnologien verändern nicht nur die Art und Weise, wie Menschen und Unternehmen arbeiten. Sie führen auch zur Entstehung vollkommen neuer Geschäftsmodelle und Wirtschaftssektoren. Digitalplattformen, Big Data und Industrie 4.0 werden die wichtigsten Treiber urbaner Ökonomie. Allein im Bereich der App-Entwicklung entstanden im Jahr 2015 europaweit zwei Millionen Arbeitsplätze, mehrheitlich in städtischen Ballungsgebieten. Stadtluft macht außerdem innovativ, intelligente Stadtentwicklung vorausgesetzt. Seit 2010 entstanden beispielsweise im „Seaport Innovation District“ der US-amerikanischen Stadt Boston auf 1.000 Hektar über 200 Startups und 5.000 Jobs. Die Ostküstenmetropole mauserte sich damit nach dem Silicon Valley zur attraktivsten Region für Venture Capital Investments in den USA.

IESE-Studie „Cities and the Economy. Fueling Growth, Jobs and Innovation“. © IESE

Wettbewerbsfähigkeit und Entbürokratisierung

Auch jenseits nationaler Wirtschaftspolitik können Stadtentwickler Maßnahmen ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer urbanen Region zu verbessern. Dazu zählen die Studienautoren insbesondere Gesetze und Regulierungen, welche Unternehmertum, Innovation, Clustering und Kreativität fördern. Für zentral halten sie eine Entbürokratisierung. Der Abbau von nicht selten kafkaesken bürokratischen Regelungen fördere Unternehmertum und Beschäftigung. In der ruandischen Hauptstadt Kigali beispielsweise identifizierten Experten langwierige Baugenehmigungsanträge als ein Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung. Nach Etablierung einer elektronischen „One Stop Shop“-Plattform reduzierte sich der Verwaltungsaufwand deutlich, die Bearbeitungszeiten sanken von 125 auf durchschnittliche 30 Tage.

Kollaboration und Nachhaltigkeit

Stadtentwickler müssen auch sozialpsychologisch denken. Insbesondere die jüngere Generation der Millennials sucht nach anderen Formen des Konsums und neuen Wegen der Partizipation am Wirtschaftskreislauf. Die Präferenzverschiebung zwingt einerseits zum Umdenken, eröffnet aber auch Freiräume für neue Möglichkeiten in einer grünen, zirkulären und Sharing Economy. Jedoch geben die Studienautoren zu bedenken, dass einige kollaborative Geschäftsmodelle prekäre Beschäftigungsbedingungen befördern. Als positives Gegenbeispiel nennen sie das Gemeinwohl fördernde Projekt „Sharing City Seoul“ der südkoreanischen Hauptstadt. Damit erhob der Bürgermeister der Kapitale 2011 die Sharing Economy zum Prinzip, mit den Prioritäten Kostenersparnis, Zeitgewinn und Umweltschutz. Ergebnis ist die Entstehung von über 1.000 neuen Arbeitsplätzen, die Reduktion von CO2-Emissionen um 30.000 Tonnen und erhebliche Einsparungen für Bürger und Stadt.

Infrastruktur und Stadtplanung

Je schneller eine Stadt wächst, desto höher ist das Risiko einer Überlastung der Infrastruktur. Das wiederum ist Gift für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Eine ineffiziente Verwaltung und suboptimale Ressourcenverteilung behindern nicht nur das Wachstum, sondern befördern auch Armut und gesellschaftliche Spaltung. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung lebt bereits heute in Slums. Das sind mehr als eine Milliarde Menschen, insbesondere in großen Städten der Dritten Welt, zunehmend aber auch in als reich geltenden Staaten wie den USA. Um dem entgegenzuwirken, müssen Stadtentwickler in Infrastruktur, Verkehr und Abfallwirtschaft ebenso investieren wie in weiche Faktoren wie Gesundheit, Bildung und Vernetzung. Letzteres insbesondere in Metropolen, in denen unzureichende Vernetzung oder hohe Kosten für Telekommunikationsdienste unternehmerische Aktivität erschweren. Megastädte wie Lagos, Nigeria und Bangalore etwa erleichtern geschäftliche Aktivitäten durch freien Internetzugang. In Zeiten hypervernetzter Märkte werden solche Technologie-Hubs zu Anziehungspunkten für Unternehmer und Innovatoren.

Fazit: Die IESE-Professoren Berrone und Ricart bieten keine Patentrezepte für eine ideale Stadtentwicklung, mit „Urban Best Practices“ aus aller Welt machen sie jedoch Hoffnung und können Stadtentwicklern zur Inspiration dienen. Die Publikation gibt Koordinaten an die Hand, um die Ausgangsposition einer Stadt zu ermitteln, die lokalen Wettbewerbsvorteile zu nutzen, soziale Ungleichheiten zu nivellieren und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern.

Mehr Informationen über die Publikation im IESE Insight:
www.ieseinsight.com


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