Ressourcen: Projekte

Effizienter Umgang mit Ressourcen in städtischen Quartieren

Projekt R2Q
Projektpartner*innen aus Forschung und Praxis arbeiteten gemeinsam an einer ressourceneffizienten Quartiersentwicklung. © Projekt R2Q

Wie gehen wir möglichst effizient mit den Ressourcen Wasser, Fläche, Raum, Energie und Baustoffe bei der Gestaltung unserer Quartiere um? Was bedeutet es überhaupt, ein Stadtviertel ressourceneffizient zu gestalten und wie lässt sich dies messen? Wissenschaftler*innen von FH Münster, RWTH Aachen, TU Berlin und dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin haben das beispielhaft für die Stadt Herne untersucht. „RessourcenPlan im Quartier“, kurz R2Q, heißt das dreijährige Vorhaben, das jetzt abgeschlossen wurde. Geleitet hat es Prof. Dr. Mathias Uhl vom Institut für Infrastruktur – Wasser – Ressourcen – Umwelt (IWARU) der FH Münster. Das Ergebnis: Ein Planungsinstrument, mit dem kommunale Verwaltungen die Ressourceneffizienz im Quartier bewerten können, um langfristige Strategien für ressourceneffiziente, ökologische und lebenswerte Wohnräume aufzustellen.

Vielfältige Lösungen gehören für die Forscher*innen der FH Münster zu einer nachhaltigen Quartiersentwicklung dazu: „Flächen effizient zu nutzen, muss das oberste Gebot sein. Dabei hat jedes Quartier seine eigenen Potenziale und Defizite“, sagt Projektkoordinatorin Birgitta Hörnschemeyer. Einige Beispiele: „An vielen Stellen können wir Grünflächen multifunktionaler nutzen; ihnen Aufenthaltsqualität, gleichzeitig aber auch Kühl- und Rückhaltefunktionen für Hitze und Überflutung geben. Dachflächen liegen oftmals brach und können doch eigentlich so viel: Energie erzeugen mit Photovoltaik- oder Kleinwindkraftanlagen, ‚Regen ernten‘ zur späteren Bewässerung oder mit Dachbegrünung Niederschlag zurückhalten, Biodiversität fördern und möglicherweise sogar Aufenthaltsraum bieten“, so Hörnschemeyer weiter. Werden bei einem Gebäudeabbruch wertvolle Baustoffe im Quartier frei, könnten sie bei guter Planung zeit- und ortsnah recycelt werden. Dazu müssen jedoch die verbauten Stoffe in den Gebäuden und Straßen bekannt sein.

Der Bereich Baustoffe ist eines von drei Teilprojekten, die Wissenschaftler*innen der FH Münster geleitet haben. Prof. Dr. Sabine Flamme widmete sich diesem Feld, Prof. Dr. Jens Haberkamp und Prof. Uhl waren für Schmutz- und Niederschlagswasser zuständig, Prof. Dr. Peter Vennemann für das Themengebiet Energie. Drei Jahre lang bewerteten die Forscher*innen den ressourceneffizienten Umgang der Stadt Herne und prüften, welche Anforderungen umgesetzt werden sollten. Welche Möglichkeiten gibt es etwa, um die Abwasserentsorgung zu ressourceneffizienter zu gestalten? Wie lassen sich Überflutungen durch Starkregen vermeiden? Und ist eine Dämmung von Gebäuden energieeffizient? Entstanden ist das Planungsinstrument in Form von Softwareteillösungen, das jetzt in Herne etabliert werden soll – und von dem auch andere Kommunen profitieren dürften.

„Städte verbrauchen fast 80 Prozent der weltweit erzeugten Energie und nahezu 70 Prozent der globalen Ressourcen. Das Potenzial für ressourceneffizientes Wirtschaften ist also groß und das Thema für viele Kommunen relevant“, so Uhl. Durch „R2Q“ habe bereits ein Austausch zwischen Herne und anderen Kommunen stattgefunden – ein Prozess, der fortgeführt wird, sagt Hörnschemeyer. „Das Interesse ist vorhanden. Jetzt wird sich zeigen, wie konkret unser Tool aufgegriffen wird.“ Der mit dem Planungsinstrument entwickelte „RessourcenPlan“ könne Planer*innen über viele Jahre hinweg Orientierung geben und bei Interessenskonflikten zwischen Bürger*innen, Investor*innen oder auch Politik unterstützen, Entscheidungen zu treffen.

Zum Thema: Zum Projekt „R2Q“ ist im Hochschulmagazin „fhocus“ bereits im Wintersemester 2019/2020 ein Artikel erschienen. Dieser ist auf den Seiten 14 und 15 zum Download abrufbar.


Zum Thema: Der Schutz des globalen Klimas und der natürlichen Lebensgrundlagen stellt die Gesellschaft vor gravierende Herausforderungen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Prognosen etwa zur fortschreitenden Klimaveränderung und zur akuten Gefährdung der Biodiversität unterstreichen deren zunehmende Dringlichkeit. Erforderlich sind grundlegende Veränderungen der menschlichen Lebens- und Wirtschaftsweise hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die FH Münster hat das Themenfeld Nachhaltigkeit daher in ihrem aktuellen Hochschulentwicklungsplan als zukünftige Herausforderung adressiert. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften ist sie Wegbereiterin und Motor erforderlicher Veränderungen, indem sie das facettenreiche Konzept der Nachhaltigkeit in ihre Bildungsangebote und Projekte in allen Fachbereichen integriert. Themen und Entwicklungen betrachtet die Hochschule jeweils ganzheitlich hinsichtlich ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Implikationen und hat dabei die Interessen gegenwärtiger und künftiger Generationen interdisziplinär im Blick. „Nachhaltig zusammen“ lautet deshalb auch das Jahresmotto der FH Münster. Vom 23. Mai bis 3. Juni stellt die Hochschule vielfältige Aktivitäten und Projekte in diesem Themenfeld vor.