Ressourcen: Forschung

Wie die Qualität des Grund­wassers geschützt werden kann

Qualität des Grundwassers
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Forschungsteam entwickelt Bewertungskonzept für Grundwasserökosysteme · Monitoring für nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung

Grundwasser ist die wichtigste Quelle für unser Trinkwasser. Grundwasserkörper sind aber auch aufgrund ihrer einzigartigen Biodiversität und lebenswichtigen Ökosystemleistungen von großer Bedeutung. Doch die Qualität der wertvollen Wasserressource gerät durch Klimawandel, Übernutzung und Verschmutzung zunehmend unter Druck. Trotz bestehender EU-Richtlinien und umfassender Regulierungen verfehlt inzwischen ein gutes Drittel der Grundwasserkörper in Deutschland den geforderten guten chemischen Zustand. Um den Qualitätszustand künftig besser prüfen und bewerten zu können, entwickelt ein Forschungsteam ein Bewertungskonzept für Grundwasserökosysteme. Das Projektteam des ISOE bringt sozial-ökologische Lösungsansätze dafür ein.

Obwohl Grundwasser – etwa in der Grundwasserrichtlinie – als schützenswerter Lebensraum ausgewiesen ist, wird es in der wasserwirtschaftlichen Praxis nicht ausreichend als ökologisches Gut geschützt. So werden etwa bei der Ermittlung des chemischen Zustands oft nur wenige Schadstoffgruppen untersucht, die nicht die tatsächliche Spurenstoffbelastung des Grundwassers widerspiegeln. Was fehlt, ist ein umfassendes Bewertungssystem, das frühzeitig Hinweise auf eine schlechte Qualität erlaubt. Nur so kann das Ökosystem Grundwasser in Zukunft ausreichend geschützt und eine sichere Trinkwasserversorgung gewährleistet werden.

Das Forschungsprojekt „gwTriade – Integratives Monitoring der Grundwasserqualität“ beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen der hohen Bedeutung, die dem Grundwasser zukommt, und seiner häufig zu niedrigen Qualität. gwTriade setzt bei der Verbesserung des Systemverständnisses von Grundwasser an und vervollständigt das vorhandene Bewertungskonzept um wichtige Qualitätskriterien. Dafür werden die vielfältigen anthropogenen Einflüsse auf das Grundwasser in den Blick genommen, Schlüsselschadstoffe identifiziert und geeignete Testverfahren zur Bewertung der Auswirkungen dieser Stoffe auf die Biodiversität im Grundwasser entwickelt.

Umfassende Bewertung der Qualität durch natur- und sozialwissenschaftliche Betrachtung

Das entstehende Monitoringverfahren basiert auf einem Triadeansatz, der standardisierte ökotoxikologische Biotestverfahren mit chemischer Analytik und der Erfassung der Faunadiversität kombiniert. Erst das Zusammenspiel dieser drei Verfahren erlaubt eine umfassende Bewertung der Grundwasserqualität. In dieses integrierte Bewertungskonzept bringt das das ISOE-Team unter der Leitung von Johanna Kramm sein weitreichendes Praxiswissen ein. Es verantwortet zudem den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis, unter anderem mithilfe zielgruppenspezifischer Handlungsempfehlungen zum Grundwassermonitoring.

Dazu setzen sich die ISOE-Forscherinnen auch mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen an den Grundwasserschutz und die Grundwassernutzung auseinander und identifizieren bestehende Konflikte. Auf der Grundlage von Erfahrungen mit anderen Umweltkonflikten werden Mechanismen und Lösungsansätze zur Konfliktbewältigung im Grundwasserbereich abgeleitet. Die im Projekt erarbeiteten Bewertungskriterien werden dann schließlich auch in Bezug auf gesellschaftliche Zielvorstellungen geprüft und priorisiert. Damit vervollständigen die ISOE-Forscherinnen die notwendige wissenschaftliche Basis für Maßnahmen zum Schutz und Erhalt des Ökosystems Grundwasser und seiner Ökosystemleistungen.


Über das Projekt
Das Projekt unter der Leitung der Goethe-Universität Frankfurt am Main wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme Nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung (LURCH) gefördert. Projektpartner sind neben dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung (IWW), Mühlheim an der Ruhr, die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Zweckverband Landeswasserversorgung, Stuttgart im Bereich Forschung. Zu den Praxispartnern gehören das Europäische NORMAN Netzwerk für neuartige Schadstoffe, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) sowie das Umweltbundesamt (UBA). www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/gwtriade/