Infrastruktur: Produkte z

Brandschutz in unterirdischen Anlagen

Mit einer Brandschutzverglasung geschützte Treppenanlage der Nord-Süd Stadtbahn Köln. © Klaus Berg, KVB

Fachleute von STUVAtec und KVB sorgen für sicheren Nahverkehr

Um die Sicherheit der Fahrgäste bei einem Feuer in einer unterirdischen Anlage bestmöglich zu gewährleisten, sind spezielle Maßnahmen erforderlich. Wie moderner Brandschutz in solchen Anlagen aussehen kann, haben die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) und die Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen GmbH (STUVAtec) bei der Nord-Süd Stadtbahn in Köln in enger und konstruktiver Zusammenarbeit aufgezeigt.

Mögliche Brände in Tunneln, U-Bahn-Stationen und unterirdischen Anlagen stellen für die Brandschutzgutachter eine Herausforderung dar. Denn unter der Erde herrschen besondere Rahmenbedingungen: Feuer und Brandgase streben der Thermik folgend nach oben, genau in die Richtung, in die gefährdete Personen flüchten müssen.

50 Jahre Erfahrung in Beratung und Forschung

Die Anforderungen an den Brandschutz in U- und Stadtbahntunnelanlagen werden grundlegend in der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) sowie deren zugehörigen Technischen Regeln festgelegt. Entscheidend ist jedoch die Adaption auf die jeweilige Bauwerkssituation. Hier besitzen die Fachleute der STUVAtec in Köln vertiefte Kenntnisse aus nahezu 50 Jahren Erfahrung in der Beratung und Forschung zu Fragen des Brandschutzes in unterirdischen Anlagen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der KVB haben sie auch beim Neubau der Nord-Süd Stadtbahn in Köln umfangreiche Brandschutzmaßnahmen für Fahrgäste realisiert und gleichzeitig bestmögliche Voraussetzungen für den Einsatz von Rettungsdiensten in Haltestellen und Streckentunneln geschaffen.

Intensiver Dialog mit Bauherr und Bauwerksplaner

Die Arbeit der STUVAtec beginnt dabei üblicherweise mit einer Räumungsberechnung und einer Brandsimulation für die betreffende unterirdische Anlage. Aus der Räumungsberechnung ergibt sich die Zeitspanne, bis alle Personen das Freie erreicht haben. Die Brandsimulation ermittelt die Dauer, innerhalb derer die Haltestelle verraucht und ein sicherer Aufenthalt für Personen nicht mehr gewährleistet ist. Sie wird in Form einer mathematisch-numerischen Computersimulation (CFD-Simulation, Computational Fluid Dynamics) auf Basis der vorliegenden Haltestellenentwürfe aufgestellt. Aus der Gegenüberstellung dieser beiden ermittelten Zeitspannen wird ersichtlich, ob die Nutzer innerhalb der Selbstrettungsphase einen – zumindest temporär – sicheren Bereich und in der Folge das Freie erreichen können. Ergeben die Simulationen, dass dies nicht möglich ist, muss überlegt werden, welche baulichen oder anlagentechnischen Maßnahmen umgesetzt werden können, um die festgelegten Schutzziele zu erreichen. An dieser Stelle tritt die STUVAtec in einen intensiven Dialog mit dem Bauherrn und dem Bauwerksplaner. Es wird in konstruktiver Abstimmung herausgearbeitet, welche Möglichkeiten unter den konkreten Umständen denkbar sind und welche sich davon architektonisch integrieren lassen. So war es zum Beispiel bei der Nord-Süd Stadtbahn Köln im weiteren Planungsprozess gewünscht, die Anzahl der im Rahmen der Planfeststellung vorgesehenen ausfahrbaren Rauchschürzen zu reduzieren, da diese einen hohen Wartungsaufwand erfordern und somit kostenintensiv sind. Kompensiert wurde diese Reduzierung zum einen durch eine Brandschutzverglasung der Treppenanlagen und zum anderen durch den Einsatz fester Rauchschürzen.

Brandschutz

Heruntergefahrene ausfahrbare Rauchschürze ohne Führungsschiene © STUVA

Optimierung der Rauchschürzenkästen

Ausfahrbare Rauchschürzen, die verdeckt montiert werden und erst im Brandfall in ihre Bestimmungsposition fahren, erfordern normalerweise seitliche Führungsschienen, um die konstruktionsbedingten Leckageflächen auf ein Minimum zu reduzieren. Da die Anordnung von Pfeilern mit integrierten Führungsschienen nicht an allen Stellen möglich war, musste eine Lösung gefunden werden, den Spalt von zwei aneinanderstoßenden Rauchschürzen so gering wie möglich auszubilden. Dies gelang in enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller durch eine Optimierung der Rauchschürzenkästen, um die Rauchschürzentücher nahe genug aneinanderführen zu können. Darüber hinaus wurde mit einem für diesen Einsatzzweck neu entwickelten Scharnier eine Verbindung benachbarter Ballastschienen ermöglicht. Dieses Scharnier lässt eine geringe Bewegung der beiden verbundenen Rauchschürzen in vertikaler und horizontaler Richtung zu, um mögliche Asynchronitäten beim Ausfahren auszugleichen Es verhindert aber gleichzeitig, dass die benachbarten Rauchschürzen auseinanderpendeln können.

Ingenieurmäßige und ökonomische Lösung im Blick

Mit der Herausgabe der Technischen Regeln für Brandschutz in unterirdischen Betriebsanlagen (TRStrab BS) im Juni 2014 ist die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes und die brandschutztechnische Aufrüstung auch für Bestandsanlagen verpflichtend. Diese Aufgabe ist anspruchsvoller als beim Neubau, denn bei der Nachrüstung muss mit den Randbedingungen der bestehenden Anlage gearbeitet werden. In diesem Fall wird von der STUVAtec ebenfalls zuerst mit einer Räumungsberechnung und einer Brandsimulation begonnen. Werden die definierten Schutzziele nicht erreicht, prüft die STUVAtec zunächst die Möglichkeiten, die sich mit relativ einfachen Mitteln umsetzen lassen. Erst wenn diese nicht ausreichen, müssen gegebenenfalls auch umfangreichere Maßnahmen mit Eingriffen in den Rohbau umgesetzt werden. So kann zum einen versucht werden, die raucharme Schicht länger aufrechtzuerhalten. Dies geschieht zum Beispiel durch die Installation von zusätzlichen Rauchschürzen oder die Einhausung von Treppenanlagen mit Brandschutzverglasungen und Brandschutztüren. Zum anderen kann aber auch eine Verkürzung der Räumungszeit sinnvoll sein, indem den Menschen eine schnellere Flucht ermöglicht wird. Dies kann beispielsweise durch eine Verbesserung der Beschilderung erreicht werden.

Ingenieurmäßige und ökonomische Lösungen

Die STUVAtec hat dabei stets eine ingenieurmäßige und ökonomische Lösung im Sinne des Betreibers im Blick. Voraussetzung ist jedoch immer die Erfüllung des Gesamtsicherheitsniveaus und die Zustimmung der Technischen Aufsichtsbehörde. Entsprechende ganzheitliche Brandschutzkonzepte für neue und bestehende Stadtbahnhaltestellen sowie Sicherheitskonzepte für die zugehörigen Streckentunnel wurden von der STUVAtec beispielsweise auch für die Projekte „Kombilösung Karlsruhe“, „Wehrhahn-Linie Düsseldorf“ und „Mobilitätsdrehscheibe Augsburg“ entwickelt. Außerdem hat die von der Deutschen Bahn zertifizierte STUVAtec Brandschutzkonzepte für die 2. S-Bahn-Stammstrecke München und Stuttgart 21 sowie viele weitere Anlagen der DB erstellt.

Weitere Informationen:
www.stuva.de


Hinweis gem. European General Data Protection Regulation: Diese Seite setzt für einige Funktionen – Mail-Nachrichten an uns sowie den Archiv-Zugriff – ein Cookie in Ihrem Browser. Es kann jederzeit durch Sie im Browser gelöscht werden. Sind Sie mit der Nutzung von Cookies einverstanden? JA | NEIN
674