Stadtraum: Projekte

Ideen für das Leben am Wasser

Ideen für das Leben am Wasser
Realisierung von Felix Faber – Ein Ort im Wandel. © Felix Faber

Verwahrlost, trostlos, heruntergekommen: Wer das Gelände am Heidingsfelder Mainufer zwischen Schulzenmühle, ehemaligem Bayla-Grundstück und Kleingartensiedlung kennt, kann diesem Urteil nur zustimmen. 14 Studierende des Studiengangs „Geovisualisierung“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) haben sich Gedanken gemacht, wie man die Uferlandschaft aufwerten könnte und lebenswerte Perspektiven für die Zukunft schafft. Die Ergebnisse können unter Leben am Wasser abgerufen werden.

Die kreative Neugestaltung fand im Rahmen der Projektbezogenen Geovisualisierung im 4. Semester statt. Dozent Stefan Sauer, bekannt für seine realitätsnahen Aufgabenstellungen, hat den Kontakt zu den Ideengebern Peter Wiegand und Uwe Kömpel vom Fachbereich Planung der Stadt Würzburg hergestellt. Unter dem Titel „Leben am Wasser“ sollte es um landschaftsplanerische Aufwertung und zukunftsorientierte Nutzung rund um die Themen Wohnen, Arbeiten und Freizeit gehen. Für ein realistisches Anforderungsbild hatten sich die Studierenden mit den Ergebnissen des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts (ISEK) und einer Bürgerbefragung beschäftigt. „Eine echte Herausforderung war offenbar die enorme Größe des aktuell der Stadt gehörenden Bereichs mit 530 Metern Länge und 42000 Quadratmeter Fläche“, so Stefan Sauer. Erschwerend hinzu kommen eine schwierige Verkehrssituation und die mangelhafte Verbindung zum Ortszentrum.

Was möglich ist, wenn man feste Denkbarrieren überwindet, bewiesen die 14 Studierenden bei der Abschlussveranstaltung. Anhand von Planzeichnungen und Visualisierungen stellten Antoine Feike, Felix Faber, Julian Nöth, Johannes Bauer, Lukas Singhartinger, Jannis Midasch, Lea Müller, Victoria Wabschitzka, Florian Butkus, Lars Steinheimer, Jonas Doschko, Katharina Hahn, Sebastian Rothaug und Sarah Dehling ihre städtebaulichen Konzepte für die Neugestaltung vor. Peter Wiegand und Uwe Kömpel von der Stadt Würzburg, Architekt Matthias Braun und Dozent Stefan Sauer kommentierten die Entwürfe sachkundig.

Dem Zugang zum neuen Uferbereich widmete sich ein Konzept. Es wertet den Weg am Heigelsbach durch eine Treppenanlage auf und macht diesen zu einem eigenen Aufenthalts- und Begegnungsort. Für das Ufergelände selbst kommen nach Ansicht der jungen Planerinnen und Planer verschiedene Nutzungsschwerpunkte in Frage; Freizeit und Erholung sind dabei die mit Abstand attraktivsten. Um Zugänge zum Wasser oder sogar Badebetrieb zu ermöglichen, entwarfen die Studierenden Treppen zum Mainufer oder schufen neu ausgehobene Buchten und Badebereiche, die durch Frischwasser aus dem Heigelsbach gespeist werden. Vorstellbar sind hier eine barock anmutende Wasserlandschaft, ein Strandbad mit kleinen Halbinseln, ein in den Fluss integriertes Schwimmbad oder eine Bucht mit künstlichen Miniinseln. Immer mitgedacht werden Kanu-Anlegestellen, Spiel- und Grillplätze, Restaurants und Kioske sowie Sanitäranlagen. Charmant und absurd zugleich ist ein Erholungsgebiet im römischen Stil mit „Hedansfelder Forum“, römischem Sitzrondell und Giemaulpavillon.

Auch Wohnen am Wasser ist offenbar ein großes Thema – egal, ob als alternative Tiny-House-Siedlung aus bunten Schiffscontainern, exklusive Häuschen mit Schiffsanleger oder kombinierter Tiny-House- und Hausboot-Siedlung an einer neuen Würzburger Mainschleife. Andere Entwürfe öffnen die Uferfläche für Kunst und Kultur, und zwar als wandelbares Gelände für die alternative Street-Art-Szene oder als „Städtlebad“ mit vielseitig nutzbarer Bühne am Wasser. Nachhaltig ökologisch ist die Gestaltung als naturbelassenes Flussdelta mit Biotop-Charakter. Wieder andere Naturkonzepte werben für Urban Gardening, eine um Hausboote und Tinyhäuser ins Wasser erweiterte Kleingartensiedlung oder Gewächshaus-Module für die Heidingsfelder Bürgerinnen und Bürger. Sogar Arbeiten am Wasser ist für junge Leute gut denkbar – sei es an kleinen Arbeitsinseln im Freien, Tiny Houses zum Anmieten oder einem ganzen Officeboat auf dem Main.

Dass das Leben am Wasser attraktiv und die Bandbreite an Möglichkeiten enorm ist, haben die Stadtplaner aus diesem Projekt mitgenommen. Vor allem das Baden in einem neu zu schaffenden geschützten Bereich stehe offenbar ganz oben auf der Wunschliste, so Peter Wiegand; auch die Themen Tiny Wohnen, Kunst und Streetart-Flächen würden bei der Stadt regelmäßig angefragt. Mit Blick auf den Architektenwettbewerb, der noch bis Oktober 2022 rund um das Gelände läuft, sind Wiegand und Kömpel gespannt: „Mal sehen, ob wir dort auch solche zukunftsweisenden Entwürfe bekommen!“

Weitere Informationen:
geo.fhws.de