Stadtraum: Projekte

Stadtklima im Wandel

Stadtklima im Wandel
Im Windkanal: Das Modell „Berlin Ernst-Reuter-Platz“ in der Messstrecke des großen Grenzschichtwindkanals Hamburg. Es soll Aufschluss geben über Besonderheiten bei Windströmungen in der Stadt. © EWTL@UNI-Hamburg.de

Mitte Juli startet die vierte und letzte Intensivmesskampagne des Projekts „Stadtklima im Wandel“– Erstmalig ist eine Cessna im Einsatz

Ab Mitte Juli starten wieder Gleiter, Multikopter, Ballons, Sonden und diesmal sogar eine Cessna im Auftrag der Wissenschaft zum Einsatz über der Stadt. Sie werden über bewohnten wie unbewohnten Gebieten kreisen. Dort sammeln sie meteorologische und lufthygienische Daten in Höhen bis zu 300 Metern bei der vierten und letzten Intensivmesskampagne, die im Rahmen des 13-Millionen-Euro BMBF-Vorhabens „Stadtklima im Wandel [UC]²“ („Urban Climate Under Change“) in Berlin stattfindet. Diese Daten werden später mit denen verglichen, die bei den vorhergehenden Messkampagnen Anfang 2018 und 2017 auch in Bodennähe bereits gesammelt wurden. Ziel ist die Entwicklung eines innovativen Stadtklimamodells.

So weht der Wind am TU-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz: Strömungsvisualisierung im Windkanal im Bereich der Straße des 17. Juni, Berlin-Charlottenburg. © EWTL@UNI-Hamburg.de

„Das gesamte Stadtklimamodell wird in rund 30 Teilprojekten entwickelt. Beteiligt sind universitäre und außeruniversitäre Partner“, erklärt Dr. Ute Fehrenbach, Wissenschaftlerin im TU-Fachgebiet Klimatologie, das unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Scherer das umfangreiche Vorhaben „Stadtklima im Wandel [UC]²“ koordiniert. „Anhand der Messdaten und der Daten aus einem Windkanal soll das Modell schließlich überprüft werden. Der Windkanal steht in Hamburg. Dort wurde ein innerstädtischer Bereich, der Ernst Reuter-Platz und seine Umgebung, im Maßstab 1:500 nachgebaut, um Windströmungen und damit den Eintrag, die Konzentration und Verbreitung von gasförmigen und festen Stoffen in der Stadt zu simulieren, die durch die Bebauung und die Verkehrslage völlig andere sind als in ländlichen Umgebungen. Bisherige Klimamodelle sind zu grobmaschig, um Phänomene wie beispielsweise die windabschwächende Wirkung von einzelnen Gebäuden und Straßenbäumen in der Stadt bislang nicht nachvollziehen.

Die Messungen finden zwischen 16.7. und 27.7.2018 statt. Alle Partner messen gleichzeitig an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

Erstmalig beteiligt ist das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Messflüge mit einer Cessna verantwortet. Als Start- und Landeplatz ist Schönhagen/Trebbin vorgesehen. Geplant sind mehrere Messflüge über Berlin. „Diese Messkampagnen sind sehr aufwendig, weil viele Partner beteiligt sind und das Wetter uns allen die Planung durchkreuzen kann. Viele Messungen müssen gleichzeitig stattfinden, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen“, so Ute Fehrenbach. „Es sollte, um gute Ergebnisse zu erzielen, besonders bei den Flügen, kein Niederschlag und kein Nebel vorhanden sein. Auch eine hohe Wolkenuntergrenze ist Voraussetzung.“

Die einmotorige Cessna, die zum Einsatz kommt, besitzt ein robustes Design, das ihr große Wendigkeit und eine geringe Geschwindigkeit von rund 50 bis 100 Metern pro Sekunde erlaubt. So ist sie ideal einsetzbar für die Erkundung kleinräumiger Phänomene. Ihre minimale Flughöhe beträgt ca. 150 Meter, über bewohntem Gebiet wird sie ca. 300 Meter betragen. Ihr Auftrag: Messungen der Luftqualität (Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ethan, Methan, Distickstoffoxid, auch als Lachgas bekannt, Stickstoffdioxid und Ozon). Einige dieser Gase entstehen insbesondere bei der Verbrennung fossiler Energieträger und sind als Treibhausgase bekannt. Außerdem werden Lufttemperatur, Luftfeuchte sowie horizontale und vertikale Winde gemessen.

Beteiligt ist dieses Mal auch das OSZ in der Charlottenburger Schillerstraße. Dort finden im Innenhof Messungen zum Bioklima sowie Windmessungen statt. Auch in der Rothenburgstraße in Steglitz, wo sich das Institut für Ökologie der TU Berlin befindet, werden mithilfe eines 40 Meter hohen stabilen Mastes meteorologische Parameter erfasst. Unter anderem wird das Windfeld dreidimensional vermessen und ausgewertet.

Weitere Informationen:

www.klima.tu-berlin.de

uc2-3do.org


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